Wann ist es Zeit zu gehen?

Manchmal muss man mit Ablehnung klarkommen. Das erlebt denke ich jeder hier und da im Leben. An sich auch keine große Sache, aber was, wenn das innerhalb der eigenen Kirchengemeinde passiert?

Nahezu mein ganzes Leben habe ich mein Glaubensleben in meiner Heimatgemeinde verbracht, bin dort seit meinem 8. Lebensjahr als Organist tätig (gut, damals war das eher noch ein vorsichtiges Heranführen und ab und zu ein Lied vortragen). Aber zumindest die letzten 25 Jahre war ich, mit Ausnahme meiner Studienzeit und ein paar Jahren in einer anderen Gemeinde, durchgehend als Organist in meiner Heimatgemeinde tätig. Ich sah über Jahre, wie die Gemeinde kleiner und kleiner wurde und sich scheinbar niemand dafür interessierte. Der Grund war schließlich schnell gefunden: Die Jugend glaubt nicht mehr an Gott, deshalb wird es leerer. Aber ist das wirklich so oder lügen sich die Verantwortlichen damit nur selbst an?

War ich als Kind und Jugendlicher noch sehr zurückhaltend, was das Bekenntnis zu meinem christlichen Glauben angeht, habe ich mich mit zunehmendem Alter immer stärker für die Lehre Jesu und für meinen Glauben interessiert und auch offen darüber gesprochen. Mich persönlich schmerzt es, mit ansehen zu müssen, wie immer weniger Leute die Gottesdienste besuchen. Neue Gesichter sieht man bei uns seit Jahren nicht mehr. Weil niemand mehr glaubt? Oder vielleicht doch eher, weil die Predigt nicht das Herz berührt? Das permanente Wiederholen von neuapostolischen Phrasen lockt wahrlich niemanden hinter dem Ofen hervor. Phasenweise könnte man meinen, die Texte seien über die Jahre zu einer Art auswendig gelerntem Ritual verkommen. Wen will man heute damit erreichen? Junge Menschen fühlen sich dadurch intellektuell unterfordert und nicht angesprochen. Hinzu kommt eine vorgelebte Unlust, sich außerhalb der Gottesdienstzeiten mit dem Glauben zu beschäftigen. Gemeindeaktivitäten? Fehlanzeige. Kontakt zu anderen Kirchen? Nö. Sich bei Veranstaltungen im Stadtteil beteiligen? Wo denkt man hin.

Warum ich so weit aushole? Weil ich diese mangelnde Gemeinschaft in der Gemeinde leid war und für einen Aufschwung sorgen wollte. Ich wollte für Belebung sorgen und anpacken … und wurde im Regen stehen gelassen. Dinge, die ich selbst nicht klären konnte, wie bspw. die Finanzierung durch die Kirchenleitung, wurden von vornherein abgewunken. „Ist zu teuer, das zahlen die nicht“. Nicht mal der Versuch, Unterstützung durch die Kirche zu bekommen.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem für sich einsehen muss, dass man die Welt alleine nicht verändern kann. Man kann es versuchen, muss es aber auch akzeptieren, wenn manche Leute einer Veränderung im Weg stehen (wollen). Und nein, das ist keine Abrechnung, sondern eine nüchterne Analyse. Ich wollte etwas bewegen, es war nicht gewollt. Ich akzeptiere das, ohne Wut. Ich ziehe meine Konsequenz und begebe mich auf die Suche nach einer Gemeinde, in der Christus im Mittelpunkt steht und der Glaube an ihn gelebt wird und nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.

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